– Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, wird bereits seit dem ersten Montag nach den Osterferien an der Albert-Schweitzer-Schule in Villingen tagtäglich in die Tat umgesetzt. Die aktuelle Corona-Situation verlangt momentan von allen Beteiligten der praktischen Prüfungen in der Altenpflege, Altenpflegehilfe und Alltagsbetreuung eine Gewöhnung an stark veränderte Prüfungsbedingungen ab, die den hygienischen Vorgaben entsprechen.

Während die praktischen Abschlussprüfungen für gewöhnlich in den Pflegeeinrichtungen stattfinden, werden die realen Praxisbedingungen und -abläufe in diesem Jahr an der Pflegeschule simuliert. Dies war nicht nur zu Beginn mit einem großen organisatorischen Aufwand und viel Kreativität verbunden. Dazu gehörte unter anderem die Bestellung von vielfältigen Materialien, wie Lautsprecherboxen für die Pflegepuppen, und die Installation von Handy-Apps. Eine der größten Herausforderungen in diesem Prüfungsjahr: Zur Simulation der Patientenversorgung sowie zur Durchführung von Pflegemaßnahmen steht anstatt eines realen Pflegeempfängers eine Pflegepuppe zur Verfügung, welche zum Sprechen gebracht werden muss. Die Fachlehrer simulieren auf diese Weise den Pflegeempfänger während der Pflegehandlungen per Lautsprecher oder ersatzweise per Mimik und Gestik bei einem Pflegeempfänger mit Aphasie.

Die verbale und non-verbale Imitation des Pflegeempfängers stellt die Prüfer vor die besondere Herausforderung, sich in die Rolle des realen und persönlich unbekannten Pflegeempfängers hineinzuversetzen und aus dessen Lebenssituation heraus flexibel und kreativ in der Prüfung zu sprechen und zu agieren. Hilfreich hierbei ist, dass fast alle Prüfer selbst examinierte und langjährig erfahrene Pflegefachkräfte sind. Bei der Durchführung der sich anschließenden Aktivierungsmaßnahmen zieht jeweils ein Prüfer Schutzkleidung an und simuliert in direktem Kontakt mit dem Prüfling den Pflegeempfänger, um eine möglichst wirklichkeitsnahe Situation abzubilden.

Um die Prüfungen so realitätsnah wie möglich zu gestalten und Fachkompetenz, soziale Kompetenz sowie Methodenkompetenz überprüfen zu können, wurden im Vorfeld, wie glücklicherweise bereits aus den Vorjahren gewohnt, Informationen über mehrere reale Pflegeempfänger in den Einrichtungen abgefragt, beispielsweise zu den medizinischen Besonderheiten oder zur Biografie. Anschließend wurde die Pflegepuppe mit diesen Besonderheiten für den Prüfling entsprechend präpariert, unter anderem durch das Einführen einer Magensonde, das Anlegen eines Verbandes oder das Aufsetzen eine Brille. Die Schülerinnen und Schüler sowie die Pflegeeinrichtungen erfuhren jeweils einen Tag vor der Prüfungsdurchführung den Name des ausgewählten realen Pflegeempfängers. Über diesen Pflegeempfänger galt es für die Prüflinge, am Vortag der Prüfung einen umfassender Bericht mit realem Pflegeplan zu verfassen, die tatsächliche Versorgung des Pflegeempfängers wurde in den Simulationsräumen der Albert-Schweitzer-Schule vorgenommen. Das ortsansässige Gesundheitsamt stand bei hygienischen Rückfragen hilfreich zur Seite.

Viele der Prüflinge lobten im Nachhinein vor allem die Sprache bzw. Gestik/Mimik der Prüfer, die es ihnen sehr erleichterten, sich in diese außergewöhnliche Praxissituation hineinzuversetzen und auch Gespräche mit dem simulierten Pflegeempfänger waren auf diese Art und Weise sehr gut möglich.

Alles in allem ein Prüfungskonzept, das bislang sehr gut aufging. Auch die Prüfer sind zufrieden, dass ihre Schülerinnen und Schüler ihre praktische Abschlussprüfung erhalten können. Noch eine Woche geht es in diesem Prüfungsmodus weiter, bis die mehr als sechzig Prüflinge auf diese Weise ihre praktischen Prüfungen absolviert haben und danach die schriftlichen und mündlichen Prüfungsteile angehen werden. Im Anschluss wird die Albert-Schweitzer-Schule sicherlich wieder zahlreiche Absolventinnen und Absolventen in die pflegerische Berufswelt entlassen, wo sie momentan dringender denn je benötigt werden.

Text/Fotos: Storz

Hier ist der Artikel im Schwarzwälde Bote zu finden.

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